Lob des Smartphones! (Dirk von Gehlen auf dem Zündfunk Netzkongress 2017)

Dirk von Gehlen hat auf dem Zündfunk Netzkongress ein Lob auf das Smartphone gesungen. In seinem Vortrag geht es aber nicht nur um das Smartphone, sondern generell auch um ein anderes Verhältnis zum Neuen. Und weil Wochenende und Dauerregen: Hier noch eine Playlist mit allen 57 Videos vom ZF2017. Sind interessante Vorträge dabei…

Der Vortrag basiert in weiten Teilen auf dem, was ich im in einem Buch zusammengefasst habe, das im Januar 2018 bei Piper erscheint. Es heißt „Das Pragmatismus-Prinzip“ und fasst im Untertitel zusammen, worum es mir in Vortrag und Buch geht: „Zehn Gründe für einen gelassenen Umgang mit dem Neuen“

Ich glaube, dass es an einem hoffnungsvollen Blick auf die Zukunft fehlt. Das Morgen ist Optimisten wie hierzulande vor allem Pessimisten ein mit ihren Wünschen und vor allem Sorgen beschriebenes Blatt und viel zu selten ein offener, ein gestaltbarer Raum.

1000 Gestalten in Anzug und Lehm entern Hamburg zum G20-Gipfel

Der G20 Gipfel steht vor der Tür und Hamburg befindet sich im Ausnahmezustand. Am 5. Juli, zwei Tage bevor der Wahnsinn dann so richtig losgeht, werden bei einer Protestaktion 1.000 mit grauem Lehm eingeschmierte Menschen die Hamburger City entern und hoffentlich ein paar schön verstörende Bilder in die Welt hinaussenden.

Wer Teil der Aktion werden oder als Supporter und Spender helfen möchte, findet hier weitere Infos. Eine kleine Vorabperformance hat bereits am 17.6. stattgefunden, siehe Video unten.

Am 7. und 8. Juli findet in Hamburg der G20-Gipfel statt. Welche Bilder werden um die Welt gehen? Bilder einer abgeschotteten Elite in einer belagerten Stadt, Bilder von Konfrontation und Gewalt? Bilder, die vielen Menschen auf der Welt ein Gefühl von Ohnmacht geben?

Wenn es nach uns ginge, dann würde von diesem Gipfel ein Signal gelebter Solidarität zwischen Menschen und Völkern ausgehen, ein Zeichen für ein neues Miteinander. Eine selbstbewusste Zivilgesellschaft, die sich kritisch, aber konstruktiv und ideenreich mit dem Gipfel auseinandersetzt.

Wer sagt, dass das nicht möglich ist? Die Performance „1000 GESTALTEN“ am 5. Juli, zwei Tage vor dem Gipfel, ist die Chance, diese Bilder zu schaffen …

1000 GESTALTEN in Hamburg – am 17.06. war eine erste Delegation in der Innenstadt Hamburgs unterwegs. Werde auch du ein Teil!
Hamburg 05.07.2017 – G20-Gipfel
Unterstütze die Aktion als Gestalt, Helfer und Spender!
Werde ein Teil von uns auf http://www.1000GESTALTEN.de
Wir brauchen deine Spende: http://www.1000GESTALTEN.de/spenden/

(via urbanshit)

Über die Wahrscheinlichkeit in der EU durch einen Terroranschlag zu sterben

Ohne das Leid von Opfern und deren Angehörigen zu relativieren: Mediale und politische Panikmache (und daraus resultierende Einschränkung von Grundrechten…) vs. reale Bedrohung. Oder anders ausgedrückt:

Nazis trollen für Fortgeschrittene: Rechtsradikale Partei verschickt „Ausreise-Gutscheine“, Stadtrat klagt auf Reisekosten

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Die rechtsradikale Klappspatenpartei „Der dritte Weg“ hat Postkarten (Zitat: „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen!“) an politisch Linke verschickt. Darauf konnte angekreuzt werden, ob man per Schiff, Flugzeug oder über die Balkanroute nach Afrika ausreisen möchte. Daraufhin hat der Olper Stadtrat Kai Bitzer die „Gutschein-Karte“ einfach wörtlich genommen, die Option „Schiffsreise“ angekreuzt, die Karte zurückgeschickt und jetzt auf Reisekosten geklagt:

Es geht um eine Reise nach Afrika im Wert von 2.200 Euro. Eine Antwort bekam der Olper aber nicht: „Ich habe noch einmal schriftlich darum gebeten, mir die Reise zukommen zu lassen. Nachdem auch darauf keine Reaktion kam, habe ich die Klage eingereicht.“ 

Die Chance, das Geld tatsächlich zu bekommen, schätzt der Wilnsdorfer Rechtsanwalt Matthias Linpinsel zunächst gering ein. „Das Problem besteht darin, dass hier kein Unternehmen sondern eine Partei auf der Gegenseite steht.“ Da es aber noch kein Urteil in einer vergleichbaren Sache gibt, sei die Klage einen Versuch wert. Sollte Kai Bitzer vor Gericht doch gewinnen, könnte das teuer werden für den Dritten Weg. Denn dann hätten potentiell alle Empfänger der Postkarte in Deutschland einen Anspruch auf ihre Reise.

(via Ronny)

Das Miniatur Wunderland baut eine Mauer um Las Vegas | Ein Pussy Grabs Back. F*ck Tr*mp! Wholecar rollt durchs Land | Stars and Bricks in Berlin

Meine US-Timeline bei Twitter und auf Facebook hat seit dem 20. Januar verständlicherweise nur noch ein Thema: Trump, Trump und noch einmal Trump. Auch in meiner deutschsprachigen dominieren der Orangene und seine Alt-Right-Bande und ich gehe mal davon aus, bei euch sieht das ähnlich aus. Neben unzähligen (lesenswerten) Longreads, Analysen, Demobildern, etc. hier mal drei regionale (Re)aktionen, die in den letzten Tagen bei mir im Reader aufgepoppt sind und hängengeblieben sind:

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Das Miniatur Wunderland in Hamburg hat vorübergehend eine Mauer um sein Las Vegas gebaut und bittet: „Liebe Freunde aus Amerika, bitte mauert Euch nicht ein…. Eure Freunde aus dem Wunderland <3.“

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Am Wochenende ist ein frisch lackiertes Protest-Wholecar mit dem Schriftzug PUSSY GRABS BACK – FUCK TRUMP! durch das Land gerollt, die Fotos wurden am Lübecker Hafen geknipst:

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Das Künstlerduo Various & Gould hat die Nationalflagge der USA mit Mauersteinen aktualisiert und am Alexanderplatz in Berlin Mitte plakatiert:

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(via Just, Rudi & René)

Afrofuturismus – Widerstand gegen eine weiße Zukunft (Radio-Feature)

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Interessanter, halbstündiger Beitrag bei Deutschland Radio Kultur über Afrofuturismus. Gerade gehört und sofort ein paar Bücher auf meine Wunschliste gesetzt.

Die Diskriminierung von Afro-Amerikanern ließ eine popkulturelle Strömung entstehen, die erst in den 90er-Jahren ihren Namen erhielt: der Afrofuturismus. In Musik, Literatur und Comics entwickeln hier Künstler utopische Welten […]

Die Chicagoer Publizistin Ytasha Womack ist einer der Logbuch-Schreiberinnen des zeitreisenden Afrofuturisten. Sie hat in ihrem Buch „Afrofuturism – The World of Black Sci-Fi and Fantasy Culture“ im Jahr 2013 die Welt der Afrofuturisten beschrieben. Es ist ein Sammelbegriff, der fiktionale, spekulative Literatur umfasst, Geschichten aus der Zukunft, von Weltraumreisen und Superhelden, futuristische Musik und Mode, Filme und Spiele. Alles aber immer mit einem schwarzen Blick und afrikanischen Bezügen.

Als Womack ihr Buch veröffentlichte, da war das Wort schon rund 20 Jahre alt. Der Literaturkritiker Mark Dery erfand ihn mangels eines anderen Genre-Begriffes in den 90ern, als er in einem Essay die Frage stellte, warum es eigentlich so wenig afro-amerikanische und auch afrikanische Autoren gibt, die selbst Science-Fiction schreiben – ihre Geschichte würde sich doch selbst wie eine lesen:

„Das ist gerade so verblüffend, weil die Afro-Amerikaner wortwörtlich Nachfahren von einer Alien-Entführung sind. Sie leben in einem Sci-Fi-Albtraum, in der ein unsichtbares, aber undurchdringliches Kraftfeld aus Intoleranz ihre Bewegungen einschränkt.“

Afrofuturismus – Widerstand gegen eine weiße Zukunft [MP3 | 28.8MB]

(Grafik aus: „Afrofuturism: The World of Black Sci-Fi and Fantasy Culture“ von Ytasha Womack | via Swen)

„This Is Fine“ als herzerwärmendes Browser-Game

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Den drei Jahre alten Comicstrip „This Is Fine“ von K.C. Green kennt ihr: Ein Hund sitzt kaffeetrinkend in einem brennenden Raum und redet sich ein, dass alles in Ordnung ist – bis er schließlich in den Flammen stirbt. Nach der Memefizierung (auch neulich hier im Blog) hat Green dieses Jahr mit „This Is Not Fine“ die Story nochmal variiert. In diese Richtung geht auch das kurze Browser-Game „This Is Fine“ von Nick Kaman, der versucht hat, damit seine Gefühle nach der US-Präsidentschaftswahl einzufangen.

This game is an attempt to capture how I felt and how those around me felt after the results of the 2016 election. I was inspired by kcgreen’s legendary comic.

(via Superlevel)