Eine Wahlempfehlung (nicht nur) für Neukölln

Die Leute von der Agentur SUPER AN DER SPREE haben in Neukölln ein paar kiezgerechte Wahlplakate aufgehängt. Von der Tonalität etwas gewollt, aber für ein paar Schmunzler gut und ja, wählen ist wichtig – auch wenn sich das dieses Mal für viele wie die Wahl der Qual anfühlt.

Neukölln, geh wähle!
Diese Bundestagswahl droht vielen ziemlich egal zu werden. Dabei täuscht der Eindruck, dass es um nichts geht. An wenigen Orten wir das so deutlich wie an unserem Agenturstandort Neukölln. Hier vermischt sich Freitagsgebet mit rechtspopulistischer Zukunftsangst, aufstrebender Kreativwirtschaft und durchglobalisierten Expats.
Also tun wir als gute Neuköllner das, was wir am besten können: ein bisschen zur Aufmerksamkeit für politische Teilhabe anstiften. Und wir tun das in der Sprache Neuköllns, damit bloß keiner einschläft.
Darum liebe likegeilen Bitches unterstützt den Wahlaufruf, teilt die Motive.

(Quelle: reddit | via Blogrebellen)

Beispiele für nicht ganz so geschickt platzierte Wahlplakate

[Quelle: @zeemzee]
Manchmal karikieren sich Wahlplakate selbst am besten. Sind Plakatierer am Ende die besseren Adbuster in diesem Wahlkampf? Ein paar Beispiele aus den letzten Wochen:

[Quelle: @SophiePassmann]

[Quelle: @ClBreest]
[Quelle: @urbanshit]
[Quelle: @PhilBr99]
[Foto: Daniel Ehrenberg| via Stefan Meister]
[Quelle: @wahl_beobachter]
[Quelle: @kilian_karger]
[Quelle: @wahl_beobachter]

Apropos Realpolitik

Weil seine Wahlplakate immer wieder, ähm, umgestaltet wurden, hat sich Benjamin Grimm, Kandidat der SPD für die Bundestagswahl im Wahlkreis Oberhavel (Brandenburg), da was einfallen lassen. Das „fantasievolle Straßenkunst“ lässt mich zwar Augenrollen, aber nette Idee. Er hätte das Plakat allerdings auch einfach umdrehen können… ;)

Wahlplakatwende: „Einfach So“ drehen 100 Wahlplakate in Berlin um und schaffen Weißflächen für kreative Nutzung

In der Nacht vom 28. August hat die Gruppe Einfach So in Berlin 100 Wahlplakate umgedreht und die Bewohner animiert, die neu entstandenen Weißflächen für Forderungen an die Politik, Kunst oder nachbarschaftliche Kommunikation zu nutzen. Der Clou an der Wahlplakatwende: Die Aktion ist anscheinend sogar legal (siehe Pressemitteilung). Zudem hat die Gruppe einen offenen Brief an die Parteien und beteiligten Werbeagenturen verfasst:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir haben begonnen, Ihre Wahlplakate umzudrehen. Man könnte damit fragen wollen, ob Ihre Plakate eigentlich zum Nachdenken anregen sollen?

Man könnte damit sagen wollen, dass es für den Informationsgehalt irrelevant ist, ob die Vorder- oder Rückseiten sichtbar sind.

Man könnte damit auch weiße Flächen für Kunst im öffentlichen Raum zur Verfügung stellen.

Man könnte sie umdrehen, um darüber mitzubestimmen, was man im öffentlichen Raum wahrnimmt, ja wahrnehmen muss, und was nicht.

Man könnte Plakate umdrehen, um mit Richard von Weizsäcker zu fragen, was eigentlich der Unterschied zwischen Mitwirkung an der politischen Willensbildung (Art. 21 GG) und Einflussnahme auf die öffentliche Meinung (§1 ParteiG) ist.

Man könnte aus tausend Gründen Wahlplakate umdrehen. Man kann es aber auch einfach so tun.

Herzlichst, Einfach so.

P.S.: Vielleicht eine gute Gelegenheit mit dem Unsinn aufzuhören?

(Fotos: Einfach So | via urbanshit)

Was Angela Merkel auf der Gamescom zockt

Zur Erschließung neuer Wählerschichten hat Merkel einen Abstecher nach Neuland gemacht und auf der Gamescom ihr neues Kabinett vorgestellt:


Aber weil Arbeit schließlich nur die eine Hälfte des Lebens ist, hat die Kanzlerin anschließend ihre Freizeit dazu genutzt, um in blühenden (Vektor-)Landschaften eine Runde Arbeit zu spielen. Ich sag mal, Kartoffel-Highscore erfolgreich geknackt:


(via FernSehErsatz)

Trump/They Live-Billboard in Mexiko

Im April 2017 hatte Mitch O’Connell ein Crowdfunding gestartet, um sein Trump/They Live-Remix auf ein Billboard zu bringen. Doch seine Versuche, eine Plakatwand zu mieten, scheiterten, weil sämtliche Vermarkter in den USA kalte Füße bekamen. Nicht so in Mexiko:

A few months ago, for the heck of it, I innocently started a ‘Go Fund Me’ campaign https://www.gofundme.com/trump-lives to get my Trump/They Live artwork on billboards across Washington. My wide-eyed sales pitch went as such […]

Yes, I don’t think much of Donald Trump, but I soft-selled this as much as humanly possible when making the pitch to anyone I could find, but it was a no-go TO EVERY SINGLE BILLBOARD COMPANY IN THE UNITED STATES! I thought that was the end of it. But then, cue music, the brave folks across the border, the upstanding heroic citizens of Mexico that Trump based his campaign on objectifying as rapists and criminals, had the cojones to give Trump the FU.
God Bless Mexico, the only country left that has the freedom to display the The Trump/They Live Billboard!




(via jwz)

Schwarzer Mop will St. Pauli nach Schlagermove aufräumen, Polizei erteilt Putzverbot

Nachdem die Schanze nach dem G20 in einer gefeierten Putzaktion von Hamburger*innen aufgeräumt worden ist, hatten die netten Linksextremen von nebenan für den Schlagermove am vergangen Wochenende etwas Ähnliches für St. Pauli  geplant:

!Fight Ordnung with Ordnung!
Der Schwarze Block räumt auf mit vorherrschenden Ressentiments und dem Chaos des Schlagermoves. Am Samstag erwartet Hamburg wieder Schlagertrupps und alkoholisierte Horden die Dummheit und Ignorangst verbreitend durch die Straßen ziehen. Nach einer Nacht und einem Tag mackriger Feierei, sinnlosem Rumgegröhle, unkontrolliertem Alkohol- und Kackmusikkonsum und sexualisierten Übergriffen werden Teile der Stadt einem Schlachtfeld gleichen. Trümmer und Scherben prägen für gewöhnlich nach einer solchen Schreckensnacht das Straßenbild.
Doch wir, die netten Linksextremen von nebenan werden das mit Herz und Besen in Ordnung bringen. Der schwarze Block betont ausdrücklich, dass dies eine polische Aktion sein. Also zieht euch schwarz an und bringt Handbesen, Kehrblech und Müllsäcke mit. Join the Wischmob!
Treffpunkt ist Sonntag um 12 Uhr an der U-Bahnstation St Pauli
Keiner stoppt den linken Spass!

Doch als der schwarze Mop dann mit Besen, Kehrblech und Müllsäcken bewaffnet loszog, erklärte die Polizei die Aktion zur Demo, löste sie auf und erteilte Putzverbote

Begleitet von einer stetig wachsenden Anzahl Streifenwagen, die den rechten Fahrstreifen der Reeperbahn blockierend im Schritttempo neben uns herfuhren, sowie unter dem Applaus und den neugierigen Blicken und Fragen der Passanten, bewegten wir uns Müll sammelnd, kehrend, polierend und fegend langsam die Reeperbahn entlang. Auch auf dem Bürgersteig stieg die Zahl der Polizisten, und so musste es auf manche Passanten wirken, als passe die Polizei darauf auf, dass der Schwarze Block auch ordentlich saubermache. Ein Missverständnis, welches wir gerne vermieden hätten.

Gewissenhaft wurde mit Pfefferspray-Entferner, Kinderbesen und Zahnbürste jede noch so kleine Fuge gereinigt. Der Müll bestand aus den typischen Schlagermove-Überbleibseln: Plastikbechern, Limetten und anderen Cocktailresten, albernen Brillen und vor allem vielen vielen zerbrochenen Glasflaschen. Und wie um dem Klischee „Schwarzer Block = Radau“ Genüge zu tun, hatte einer der Teilnehmer einen Laubbläser mitgebracht und machte damit mächtig Lärm.

Doch so ganz schien es uns nicht zu gelingen, uns weit genug zu zerstreuen und damit den Veranstaltungscharakter unserer Reinigungsmühen vollständig zunichte zu machen. Und so schritt die Staatsmacht, die derweil auf beachtliche 14 Streifen- und vier Mannschaftswagen samt Inhalt angewachsen war, ungefähr auf Höhe des FC St. Pauli-Fanshops schließlich doch noch ein. Zunächst wurde der weitere Weg geradeaus durch eine Handvoll Bereitschaftspolizisten, diesmal mit Helm und in voller Montur, abgeriegelt. Gleichzeitig näherte sich von hinten ein beachtlicher Trupp weiterer Gewaltmonopolisten. Wir beide drückten uns ein wenig in der Gegend herum, versuchten keine Aufmerksamkeit zu erregen und hoben hier und da ein Konfettischnipsel auf.

Am Ende wurde uns verkündet, was wir schon ganz am Anfang gehört hatten: Wir seien eine Versammlung und hätten uns jetzt sofort, in Kleingruppen und in unterschiedliche Richtungen, zu zerstreuen. Dieses Mal alledings unter einer weiteren strengen Auflage: Absolutem Putzverbot.

(Fotos: Das Stefmarian | via FernSehErsatz)